Momentan scheint die große Panikmache um das große böse Facebook gerade besonders “in” zu sein.
Aber was ist wirklich dran? Missbraucht Facebook Daten, sind Datenschützer zurecht aufgebracht und müssen wir vor Facebook geschützt werden?
Meiner Meinung nach ist es aktuell so, wie mit den meisten “Gefahren” die durch die Presse gehen – vieles davon wird einfach viel extremer dargestellt, als es wirklich ist. Ist gut für die Einschaltquoten…
1200 ausgedruckte Seiten eines Facebook Users
Aktuell wird vor allem über einen Studenten berichtet, der seine gespeicherten Daten von Facebook angefordert hat.
1200 Seiten klingt natürlich erst mal wirklich nach einer ganzen Menge, aber: Wer weiß, was diese 1200 Seiten alles beinhalten?
Ich habe mir das ganze mal etwas genauer angeschaut. Neben eigenen Postings, “gefällt mirs” und Chatprotokollen werden auch Logindaten oder Freundschaftsanfragen gespeichert.
Wenn ich mich also dreimal täglich bei Facebook einlogge kommen allein hierdurch also schon jede Menge Seiten zusammen.
Und auch Freundschaftsanfragen, die schön ordentlich untereinander aufgelistet werden dürften schon einige Seiten füllen.
Streiten kann man sich darüber, ob es in ordnung ist, das gelöschte Daten weiterhin von Facebook gespeichert bleiben.
Fakt ist aber, dass die Daten nicht mehr öffentlich zugänglich sind.
Verunsicherte User – was treibt Facebook mit unseren Daten?
Aktuell ist auf jeden Fall zu erkennen, das viele Facebook User durch die Panikmache der Medien ziemlich verunsichert sind.
Was weiß Facebook über mich?
Was tut Facebook mit meinen Daten?
Eine Meldung, die im Moment in Form eines Kettenpostings die Runde macht, zeigt wie leichtgläubig User sind, wenn es um Horrormeldungen geht.
Aber was ist wirklich dran?
Falls du dieser Meldung geglaubt hast, kann ich dich beruhigen – Facebook zeigt nicht einfach allen Leuten deine Telefonnummer.
Facebook zeigt in der Freundesliste lediglich die Telefonnummern deiner Freunde an, die du auch auf deren Profil sehen kannst.
Wenn du deine Telefonnummer nicht öffentlich (bzw. für deine Freunde) auf deinem Profil zugänglich machst, sieht auch niemand deine Telefonnummer.
Facebook und der Datenschutz – so verhältst du dich richtig
Zuerst einmal gilt: Jedes Soziale Netzwerk hat AGB, die man bestätigen muss um sich anzumelden. Auch wenn kaum einer diese AGB liest -dort kannst du erfahren, wie Facebook mit deinen Daten verfährt.
Facebook gibt dir die Möglichkeit zu entscheiden, wer welche Daten von dir sehen kann. Hier solltest du einfach ein wenig Zeit investieren und alles so einstellen, wie du es möchtest.
Ansonsten gilt:
Erst denken, dann posten.
Bevor du öffentlich etwas postest, solltest du dir überlegen, ob das auch wirklich jeder lesen darf.
Dürfen dein Chef, Kollegen, deine Familie oder Nachbarn lesen was du gerade schreibst?
Hier ist ein wenig Eigenverantwortlichkeit gefragt.
Ich persönlich finde es sehr angenehm wenn ich selbst entscheiden kann, was ich sage und worüber ich schreibe und die Entscheidung nicht von irgend jemandem aus der Hand genommen bekomme.
Wie geht es weiter mit dem Datenschutz?
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich die ganze Dikussion zum Datenschutz im Internet aktuell ziemlich kritisch sehe.
Verbote, Einschränkungen und Bußgeldandrohungen (Stichwort Google Analyitics und Gefällt mir Buttons) führen meiner Meinung nach zu Einschränkungen, die im Ernstfall mehr Schaden als Nutzen bedeuten.
Deutschen Usern wird immer mehr Eigenverantwortlichkeit abgesprochen und es wird für deutsche Otto Normalverbraucher immer schwieriger sich an der Gestaltung des Web 2.0. zu beteiligen.
Datenschutz hat seinen Sinn und Missbrauch von Daten ist kein Kavaliersdelikt – aktuell habe ich allerdings den Eindruck dass unter dem Deckmantel des Datenschutzes den deutschen Internetnutzern Steine in den Weg gelegt werden und die Eigenverantwortlichkeit abgenommen wird.
Übrigens: Ein weiterer meiner Meinung nach sehr guter Artikel zum Thema Facebook und Datenschutz findet sich auf dem Blog von Sasha Koehler Werner.
Hände hoch und Daten her
Schlussendlich gilt: Jeder entscheidet selbst ob er sich bei Facebook oder anderen sozialen Netzwerken an- oder auch abmeldet.
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5 Kommentare
Oliver Tausend sagt:
7. Oktober 2011 von 19:41 (UTC 1)
Liebe Stefanie,
Du sprichst mir mit diesem Post aus der Seele. Klar sind Datenschutzvergehen kein Kavaliersdelikt, doch habe ich das Gefühl, dass hier zum Teil mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird. Stichwort “Verhältnismässigkeit”. Das ganze zeigt auch die staatliche Machtlosigkeit, da die Macht des Staates nun einmal an der eigenen Grenze endet. Dass die Jungs darüber wütend sind, kann ich gut verstehen, ändert aber nichts an der weltweiten Vernetzung. In bezug auf Facebook frage ich mich natürlich, was die mit den ganzen Daten anfangen wollen. Das ist genauso ein Egospiel wie das Machtspiel der Datenschützer. Ich frage mich, wer uns vor den Datenschützern schützt, vor den Vernraucherschützern und vor den was weiss ich-Schützern.
Danke für Deine Einsichten.
Beste Grüsse
Oliver
Stefanie sagt:
7. Oktober 2011 von 20:53 (UTC 1)
Hallo Oliver, danke für deinen Kommentar.
Genau so siehts aus und das mit den Kanonen auf Spatzen schießen passt wirklich gut.
Ich bin auch gespannt, wie sich das ganze weiterentwickelt und wer letztendlich am längeren Hebel sitzt.
Ich sehe vor allem auch einige Gefahren in Bezug auf die freie MItgestaltung des Internet von seiten derer, die uns angeblich “schützen”.
Liebe Grüße
Stefanie
Andi Fischer sagt:
8. Oktober 2011 von 00:33 (UTC 1)
Gelassenheit stärkt eben das Urteilsvermögen. Danke Stefanie, für Deinen Beitrag. Als IT-Fachmensch weiß ich hinzuzufügen, dass sich bei facebook gar nicht viel ändert: alle Daten, die zuvor schon vom Benutzer übermittelt wurden, sind auch zuvor schon entsprechend abrufbar, gesichert, gefährdet usw.
Facebook arbeitet lediglich daran, die Daten besser nutzbar zu machen. Und das hat schließlich auf den Vorteil (“Timeline” betreffend), dass man selbst besser sieht, was man nicht schon so alles öffentlich angesammelt hat. Und das man damit auch besser gefunden wird, von denen, denen gegenüber man sich offenbart. Da hat sich seit der Erfindung des Buchdrucks nicht wesentlich etwas dran geändert. Mit zunehmendem Datenmaterial wird nur auch die Panikmache stetig mehr. Nochmals Danke!
Stefanie sagt:
8. Oktober 2011 von 22:52 (UTC 1)
Hallo Andi,
danke für deinen Kommentar und deine Ergänzung.
Ich denke auch das die Timeline Vorteile bieten kann, vor allem für diejenigen die, von einer bestimmten Gruppe gefunden werden möchten.
Man muss das ganze nur eben ordentlich anpacken und sich vor dem veröffentlichen überlegen, ob man das auch wirklich möchte.
Liebe Grüße
Stefanie
dr. falk von morgen sagt:
13. Oktober 2011 von 10:41 (UTC 1)
Lustig ist vor allem, daß viele Leute glauben, sie HÄTTEN überhaupt RELEVANTE Daten!
Die meisten Leute haben eine Telefonnummer und eine Wohnanschrift, viele auch noch eine Emailadresse – ich würde schätzen, bei 95% aller Deutschen hat sich damit die Menge an relevanten Daten bereits erschöpft – und diese Daten sind über fast jeden wirklich mühelos recherchierbar, auch OHNE Facebook